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DJ Rewerb | Funky, Club, Electro & Progressive House Music DJ Tipps Wie vermeide ich Fehler beim Auflegen? Mit Routine, Konzentration und einem neuen Notfallplan


Wie vermeide ich Fehler beim Auflegen? Mit Routine, Konzentration und einem neuen Notfallplan

DJ Tipps
Geschrieben von DJ Rewerb  

Fehler, CDJ beim AuflegenEs herrscht Stille. Die Musik ist aus. Ich habe einen Fehler gemacht und die PA verstummt. Hunderte Augenpaare sind auf mich gerichtet. Jemand fängt an zu Pfeifen.

Es sind diese stillen Momente, da könnte ich vor Scham im Boden versinken. Vor einer Woche passierte mir im Terminal90 so ein Fehler. Plötzlich fing der rechte CD-Player das Zicken an. Dann reagierte das linke Deck komisch. Wenige Sekunden später war die Musik aus.

Jede Komponente meines DJ-Equipments könnte jede Sekunde kaputt gehen. Dieser Gefahr bin ich mir bewusst. Je länger alles glatt läuft, desto unaufmerksamer wurde ich. Dann passieren Fehler.

Auflege-Fehler teile ich in drei Kategorien ein:

  1. Unhörbare Fehler
  2. Kaum wahrnehmbare Fehler
  3. Hörbare Fehler

1. Unhörbare Fehler

Das sind Fehler die keinen Einfluss auf den Live-Sound haben. Zum Beispiel, wenn ich erst beim Eincuen merke, dass das Plattenspieler-System auf einem Kanal defekt ist oder der MP3-Rekorder den Abend nicht mitschneidet.

2. Kaum wahrnehmbare Fehler

Die Vocals beginnen ein paar Takte zu früh, ich treffe den ersten Takt nicht. Oder ich schätze die Mix-Out-Ramp des ersten Liedes zu lange ein, deshalb spielt das Intro des nächsten Liedes zu lange solo. Solche Fehler hören nur geübte Ohren. Es könnte auch alles Absicht von mir sein.

Leicht verschmutzte Nadeln sind anfangs kaum hörbar, ebenso das Knistern des Vinyls. Wenn sich eine dicke Staubschicht ansammelt oder die Plattenspieler-Nadel bricht, dann ist der Fehler deutlich zu hören und fällt in die nächste Kategorie.

3. Hörbare Fehler

Dazu gehören Mixe, die aus dem Ruder laufen und in einem Offbeat-Gewitter enden. Während der Silvester-Party im Cinecitta passierten mir zwei solche Mix-Fehler.

Total-Ausfälle einzelner Geräte sind die schlimmsten Fehler, weil die Musik dann komplett aus ist. Innerhalb von Sekunden steht die Tanzfläche still. Was machst du, wenn dich die Technik verlässt? Möglichst schnell soll die Musik wieder laufen, soweit meine Theorie, die ich in der Rezension von DJing für Dummies beschrieb.

Absichtlich aktualisiere ich vor so großen Gigs wie im Terminal90 nicht die Firmware der CD-Player. Auf meine Technik muss ich mich blind verlassen können. Deshalb keine Experimente. Einen Schwachpunkt hatte ich jedoch übersehen: den USB-Stick.

Nur ein USB-Stick ist fahrlässig

Mini USB-Stick zum Auflegen
Mini USB-Stick
Schnell gewöhnte ich mich daran von einem USB-Stick aufzulegen und mit beiden CD-Playern auf einen gemeinsamen Stick zuzugreifen. Anfangs spielte ich nur einzelne Titel vom Stick, um mich an die Technik zu gewöhnen.

Heute kommt bereits der halbe Abend direkt von diesem Speichermedium. Zwei Freunden gegenüber schwärmte ich noch von den fantastischen Möglichkeiten neuester DJ-Technik vor. Das war eine Stunde vor dem Ausfall.

Der letzte Crash machte mir deutlich, wie leichtsinnig ich war mit nur einem USB-Stick auf Tour zu gehen. Für diesen Fall hatte ich keinen Notfallplan außer CDs und Vinyl. In Gedanken sah ich mich schon der Rest des Abends mit Vinyl auflegen.

Zwei USB-Sticks als neuer Notfallplan

Was ich daraus gelernt habe, ist einen zweiten USB-Stick als Backup mitzunehmen. Als Ersatz bestellte ich mir zwei neue USB-Sticks. Über meine Test-Ergebnisse werde ich in ein paar Monaten berichten.

Außerdem werde ich die Sticks nach 365 Tagen austauschen, selbst wenn sie noch funktionieren. Denn die eingebauten Speicherchips haben eine begrenzte Lebensdauer. Eventuell waren Teile des Speichers defekt. In Zukunft behandle ich USB-Sticks als Verschleißteile, genauso wie die Nadeln der Ortofon-Systeme. Diese tausche ich ebenfalls einmal pro Jahr aus, auch wenn sie noch funktionieren.

Zum Glück passieren mir so grobe Fehler sehr selten. Na Glück ist es eigentlich nicht, sondern ein System aus Konzentration und Routine, das ich immer weiter verfeinert habe.

Konzentration ist alles

Anfangs half mir ein Tipp meine Konzentration und Koordinationsfähigkeit zu trainieren. Das geht in die Richtung, dass unser Gehirn über Kreuz verschaltet ist. Also die linke Gehirnhälfte kontrolliert die rechte Körperseite und umgekehrt.

Vorm Auflegen schlug ich im Takt mit der rechten Hand auf den linken Oberschenkel und mit der linken Hand auf den rechten Oberschenkel. Als Steigerungsform kannst du dann noch das Bein anheben. Schuhplatteln für DJs ;-) Klingt bescheuert, aber in Nächten, wenn ich diese Übung vorher zu Hause gemacht habe, passierten mir Abends keine Fehler beim Auflegen. Auf diese Idee kam ich über das Buch "In jedem steckt ein Musiker" (das Buch beschreibe ich auf der Equipment-Seite).

Routine als Hilfe, immer nach Schema LR auflegen

Linker Plattenspieler -> rechter Plattenspieler,
rechter Plattenspieler -> linker CD-Player,
linker CD-Player -> rechter CD-Player,
rechter CD-Player -> linker Plattenspieler,
linker Plattenspieler -> ...

Nur in absoluten Ausnahmefällen weiche ich von diesem Links-Rechts-Schema ab. Nie verwende ich den linken Plattenspieler und dann den linken CD-Player (durchgestrichener Pfeil unten in der Skizze). Dank dieses einfachen Systems komme ich selten durcheinander. Es ist immer klar, welche Seite gerade "live" ist. Mehr fällt mir gar nicht dazu ein, so simpel ist dieses System.

Links-Rechts-Schema der Technics und CDJs

Diese strikte Routine habe ich mir angewöhnt, nachdem ich ein paar Mal den laufenden CD-Player gestoppt habe. Dazu genügen zwei Tasten "Pause", "Eject" - die CD ist draußen und innerhalb einer halben Sekunde die Musik aus. Viel seltener passierte es, dass ich den laufenden Plattenspieler gestoppt habe.

Routine als Fehlerquelle

Zu viel Routine muss nicht unbedingt gut sein, denn dann werde ich nachlässig und verzichte zum Beispiel auf einen Soundcheck bevor die Gäste anwesend sind. Genau das passierte vorletzte Woche. Den Technikern im E-Werk vertraue ich, deshalb prüfte ich den Ton der Plattenspieler-Systeme und CD-Player nur über den Kopfhörer.

Eine Minute vor Eröffnung drehte ich den Masterregler des Mischpults auf. Ich war bereit das Vorprogramm zu spielen. Aus der PA kam jedoch kein Ton. Wir hatten vergessen die XLR-Kabel ans Mischpult anzuschließen.

Mit einer Checkliste bekommt man diese Flüchtigkeitsfehler sehr gut in den Griff. Piloten haken bei jedem Flug eine Checkliste ab. Meine Ideen dazu sind so umfangreich, dass ich später mehr schreiben will ... (Nachtrag: meine Gedanken zur Checkliste findest du hier: "Gecheckt! Meine Checkliste und der Soundcheck bei jeder Veranstaltung").

Was machst du, wenn dich die Technik verlässt oder bei dir die Musik ausgeht? Ich bin gespannt auf weitere Tipps in den Kommentaren.

 

P.S.: Danke an Annette und Manu für die aufmunternde Worte nach dem Terminal90-Crash. Ihr habt mir bestätigt, was ich eigentlich weiß: nach der nächsten halben Stunde Party verzeiht dir dein Publikum fast jeden Fehler. Dennoch wäre ich lieber fehlerfrei bei jedem Gig ;-) So geschwitzt habe ich beim Auflegen schon lange nicht mehr. Wer weiß wozu es gut ist. Jedenfalls habe ich ein neues Thema gefunden, über das ich ganz aktuell schreiben kann.

 

Kommentare 

 
+1#1DJ Tw1x21.10.2014 23:30
Ich hatte zwar noch keine Gigs und habe immer per Stream auf meiner Website für Musik gesorgt, aber:

2 mal habe ich jetzt bei Kumpels auf der privaten Geburtstagsfeie r aufgelegt und beide Male meine 2 jeweils umschaltbaren Kanäle meines VMX-200 von Behringer genutzt:
Über einen Kanal (meinetwegen hier links) meinen DJ-Controller laufen lassen.
Gegenüber (rechts) mein Handy bereit mit der App CrossDJ und einem Track, der relativ gut zu meiner restlichen BigroomHouse Sammlung passt (ein Track, der Anfangs, Mitte oder Ende des Sets geht).
Jetzt zu dem Umschalten:
Bei meinem Mixer kann ich pro Kanal 2 Audioquellen (die jetzt schon beide hängen) reinschicken. Einmal Line und einmal Phono/Line (wählbar). Somit habe ich meinen NDX-200 von Numark (CD-Player) am 2. Input des linken Kanals. Rechts wäre jetzt immer noch frei für einen 4. Eingang, den ich so nicht benötige.

Wenn die Musik ausgegangen wäre, sofort das Display vom Handy an, Play. Als Nächstes die Kopfhörer vom DJ-Controller in den Mixer rein und den nächsten Track auf CD suchen, cuen und beatmatchen.
Jetzt auf die Fehlersuche gehen am PC (oder sonst wo).

Vorteil: Maximale Stille bei guter Reaktion: 3 - 5 Sekunden.
Nachteil: Der Fehler darf nicht am/hinterm Mixer liegen (Lautsprecher/Kabel/...)

Für 4-Deck-Mixing (v.a. mit CDJs o.ä.) wäre eine Option, einen weiteren (Mini-)Mixer/(Mini-)Mischpult vor ein Deck zu schalten, denn ich habe noch keine 5 oder mehrkanäligen DJ-Mixer gesehen...

Hoffe das war einigermaßen verständlich erklärt, fraglich ist aber, ob so etwas dann clubtauglich ist!?
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0#2DJ Rewerb28.10.2014 22:38
Hallo DJ Tw1x,
dein Tipp mit dem Handy als Notfall-Zuspielquelle ist echt gut. Darauf bin ich noch nicht gekommen. Alles was du dazu brauchst ist ein 3,5 mm Mini-Klinkenkabel mit Adapter auf Cinch-Stecker.

Die Club-Mixer haben fast alle 4 Kanäle, beim Pioneer DJM-900 kannst du pro Kanal 4 Quellen auswählen.

Ein zusätzliches Mischpult würde ich eher nicht dazwischen schalten, weil du damit die Komplexität der Anlage erhöhst. Bei zwei Mixern hast du auch zwei Fehlerquellen.

Viele Grüße,
Thorsten
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+1#3DJ Tw1x30.10.2014 18:25
Ich habe gerade nachgeschaut, der DJM-900 hat pro Kanal 2 Stereo-Inputs (was man doch erwartet, oder nicht?). Gleiches Prinzip, wie beim Behring VMX-200; d.h. wenn man Panning hat (also DJM-Mixer), dann kann man in der Tat bis zu 4 Mono-Quellen anschließen. Allerdings reichen bei 4 Kanälen 2 Stereo-Inputs á Kanal aus, man hat schließlich noch den zuweisbaren Crossfader, was also dann beim sinnvollen Anschließen der Quellen egal ist (ob man eine Quelle rechts/links haben will...).

Und zu der Sache mit den Kabeln:
Bei den beiden privaten Geburtstagsfeie rn, wo ich aufgelegt habe, hatte ich jeweils meinen Fahrradrucksack prall gefüllt mit Audio/Stromkabeln dabei (der Rucksack ist nicht klein!), also meine Audio-Kabel-Sammlung ist nicht gerade klein, deswegen findet sich nahezu immer eine Möglichkeit, irgendwas anders oder eben ganz anders anzuschließen.

Also noch einen schönen Abend und:

Happy DJing!
Tw1x
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+1#4Rommelgarten22.12.2015 13:26
Hallo Dj Tw1x
Der Allen & Heath Xone:62 oder oder Xone:464 sind 6 Kanal DJ Clubmixer :)
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0#5DJ Rewerb22.12.2015 16:43
Hallo Rommelgarten, hallo DJ Tw1x,

natürlich kannst du versuchen Technikprobleme mit allen möglichen Notfallszenarie n und Backup-Lösungen anzufangen.

Mit einem 6-Kanal-Mixer und einem Handy als Notfall-Zuspielquelle wird der technische Aufbau komplizierter. Und mit jedem zusätzlichen Steckkontakt baust du weitere Fehlerquellen ein.

@Rommelgarten: Wie kommst du mit den Xone-Mischpulten im Dunklen zurecht? Ich durfte mal mit einem Allen & Heath Mischpult auflegen. Der 4-Band-EQ ist genial. Die Knöpfe sind jedoch zu klein für meine Wurstfinger. Außerdem benötigte ich eine extra Mischpult-Beleuchtung, weil cih das Ding nicht in der dunklen DJKanzel bedienen konnte.

Viele Grüße,
DJ Rewerb
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+1#6René13.02.2017 12:16
Bezüglich der zwei USB-Sticks. Ich nehme generell mindestens zwei Sticks mit zum Gig. Habe es schon im Club erlebt, dass die CDJs nicht gelinkt waren und auf die Schnelle auch kein LAN-Kabel dafür zur Hand war.
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0#7DJ Rewerb14.02.2017 20:57
Hallo René,

das kenne ich. Ohne LAN-Kabel vermisse ich die synchronisierte Playliste der beiden CD-Player. Bereits gespielte Lieder werden ja nur auf der jeweiligen Seite als bereits gespielt markiert.

Ist es nicht schlimm, wie schnell ich mich an diesen Luxus gewöhne?
Deshalb nehme ich immer ein Ersatz-LAN-Kabel mit ;-)
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