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Wann muss ich als DJ ein Gewerbe anmelden?

Geschrieben von DJ Rewerb  
08.01.2017

Wann muss ich als DJ ein Gewerbe anmelden?"Nur zwei Dinge sind uns ganz sicher: der Tod und die Steuer", kennst du dieses Sprichwort?

Das Zweite kann ich dir bestätigen! Und wie ich jetzt gelernt habe, machte ich vor 13 Jahren einen gewaltigen Fehler.

Damals meldete ich meine DJ-Tätigkeit nicht als Kleingewerbe oder Freiberufler an. Stattdessen wollte in der großen Liga mitspielen und richtige Rechnungen mit Mehrwertsteuer ausstellen.

Das funktionierte solange ganz gut, bis ich glaubte meine Steuererklärung selbst ausfüllen zu können.

Ab wann muss ich ein Gewerbe anmelden?

Sobald du als DJ die ersten Aufträge an Land ziehst, bist du plötzlich kein privater DJ mehr, sondern du betreibst ein Gewerbe. Dann wird es notwendig, ein paar rechtliche und steuerrelevante Entscheidungen zu treffen.

  • Falls du nur gelegentlich in Jugendclubs, Bars und Discotheken auflegst, frage nach, ob sie dich auf 410 Euro-Basis beschäftigen können. Dadurch ersparst du dir jede Menge Büroarbeit, die eine Gewerbeanmeldung nach sich zieht.

  • Flexibler wirst du, wenn du deine DJ-Tätigkeit als Gewerbe anmeldest. Dann darfst du Rechnungen ausstellen. Allerdings musst du deine Einnahmen und Ausgaben in der Steuererklärung angeben und selbst versteuern.

  • Als Freiberufler wärst du am unabhängigsten, weil die Buchhaltung einfacher zu erledigen ist und du kein Zwangsmitglied bei der Handelskammern wirst.
    Wenn du es über andere Tätigkeiten, wie Musik produzieren oder Plakate designen, irgendwie schaffst als Freiberufler anerkannt zu werden, würde ich heute diesen Weg gehen.

Am besten machst du einen Beratungstermin mit einem Steuerberater aus. Lasse dir alle Fragen beantworten, die für deine persönlichen Lebensumstände wichtig sind.

Frage nach, ob du irgendwie als Freiberufler eingestuft werden könntest. Falls du nicht freiberuflich arbeiten kannst, musst du bei deiner Stadt ein Gewerbe anmelden.

Wie melde ich als DJ ein Gewerbe an?

Dein Gewerbe meldest du zunächst beim Gewerbeamt deiner Stadtverwaltung an. Im Antragsformular musst du deine Tätigkeit beschreiben.

Überlege dir am besten vorher eine passende Formulierung. Beziehe alle Tätigkeiten ein, die du in den nächsten fünf Jahren machen könntest. Das könnte zum Beispiel auch die Vermittlung von DJ-Kollegen sein, Webseiten erstellen, Partys veranstalten, Flyer verteilen oder Musik produzieren.

Die Quittung für die Gewerbeanmeldung solltest du unbedingt aufheben, weil es eine Geschäftsausgabe ist. Am besten machst du gleich einige Kopien von deiner Gewerbeanmeldung. Über die Jahre benötige ich die Kopien immer wieder als Nachweis für mein Gewerbe.

Eine Gewerbeanmeldung kostet ungefähr 50 Euro.
Doch diese Kosten sind erst der Anfang.

Deine Gewerbeanmeldung wird sehr viele Dinge nach sich ziehen, wie Buchhaltung, Kontoführungsgebühren, Einkommensteuererklärung, Steuerbescheide vom Finanzamt, Kosten für Steuerberater, Umsatzsteueridentifikationsnummer bis zur IHK-Mitgliedschaft und Abschreibungen für Büromöbel.

Deshalb gebe ich dir weiter oben den Rat, deine Gewerbeanmeldung so weit wie möglich heraus zu zögern.

Formular zur Einkommensteuererklaerung

Musst du wirklich eine Firma gründen?

Als Minijobber sind deine Einnahmen ebenfalls korrekt versteuert. Allerdings musst du dich nicht selbst darum kümmern, sondern lässt den Steuerberater deines Auftraggebers die notwendigen Formulare ausfüllen.

Den idealen Zeitpunkt dein DJing in ein eigenes Gewerbe umzuwandeln, wirst du für dich selbst finden müssen.

Falls du einen Hauptjob hast, solltest du unbedingt deinen Arbeitgeber fragen, ob du nebenbei als DJ arbeiten kannst. Lasse dir schriftlich bestätigen, dass du nebenbei selbstständig arbeiten darfst. 

Die nächste Schritte, um deine DJ-Tätigkeit als Gewerbe anzumelden, liste ich dir hier auf:

  1. Buchhaltung vorbereiten
    Sammle ab sofort alle Belege, Rechnungen und Quittungen, weil du dies als Kosten für die Geschäftsgründung geltend machen kannst.

  2. Finde die passende Unternehmensform

  3. Beantrage ein Geschäftskonto bei deiner Bank

  4. Entscheide dich zwischen Kleinunternehmer-Regelung oder Umsatzsteuer-Voranmeldung

  5. Elster-Software des Finanzamts

  6. Suche deine Steueridentifikationsnummer

  7. Beantrage eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer

  8. Steuerberater und Einkommensteuererklärung

  9. Beachte die Fristen für deine Steuererklärung

  10. IHK-Gebührenbescheid widersprechen

Jeden einzelnen Punkt werde ich dir ausführlich erklären. Mit diesem Informationen kannst du am Ende dieser Seite eine informierte Entscheidung treffen, wie du weitermachen möchtest.  

Wie wähle ich die richtige Unternehmensform?

Du benötigst keine Erlaubnis, um als DJ ein Gewerbe anzumelden.

Prinzipiell stehen dir als DJ alle Unternehmensformen offen, von einer selbstständigen Tätigkeit, über eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, zusammen mit Freunden, bis zu Kapitalgesellschaften wie einer GmbH oder Aktiengesellschaft. Theoretisch könntest du auch versuchen einen gemeinnützigen DJ-Verein zu gründen.

Jede Unternehmensform hat Vorteile und Nachteile, die du abwägen musst. Weil ich jetzt nicht davon ausgehe, dass du als Ein-Personen-Show eine börsennotierte Aktiengesellschaft gründen wirst, beschränke ich mich auf die einfachste Form der selbstständigen Tätigkeit.

Als Selbstständiger solltest du im Hinterkopf behalten, dass du mit deinem Privatvermögen für dein Geschäft haftest. Sollte also jemand dein Geschäft verklagen, musst du im schlimmsten Fall deine Ersparnisse angreifen oder dein Haus kann gepfändet werden.

Das soll jetzt nicht allzu bedrohlich klingen. Wenn du vernünftig wirtschaftest, wird die Haftungsfrage kein Problem werden. Jedenfalls habe ich in 13 Jahren niemals um mein persönliches Hab-und-Gut fürchten müssen.

Geschäftskonto einrichten lassen

Egal, wie du dich entscheidest, ich kann dir den dringenden Rat geben, gehe zu deiner Bank und eröffne ein Geschäftskonto. In den meisten Fällen fallen bei Geschäftskonten Kontoführungsgebühren an. Beisse in diesen sauren Apfel und zahle die Gebühren.

Viel zu lange habe ich den Fehler gemacht und mein privates Konto als Geschäftskonto missbraucht, um die Kontoführungsgebühren zu sparen. Das hat jedoch den Nachteil, dass das Finanzamt bei einer Betriebsprüfung auch dein privates Girokonto prüfen dürfte.

Ich glaube, diese beiden Welten auseinander zu halten, ist ein einfacher psychologischer Trick. Seitdem ich meine privaten Finanzen und mein DJ-Geschäft getrennt behandle, trete ich professioneller auf. Mit diesem Tipp musst du meinen Fehler nicht wiederholen.

Kleinunternehmer und weitere Steuerfragen

Danach wartet beim Finanzamt eine der weitreichendsten Entscheidungen auf dich. Du musst dich entscheiden, wie du als Geschäft die Umsatzsteuer behandeln willst.

Falls du pro Jahr weniger als 17.500 Euro einnehmen wirst, kannst du die Kleinunternehmer-Regelung nutzen. Das heißt, du musst auf deinen Rechnungen keine Mehrwertsteuer ausweisen. Gerade am Anfang ersparst du dir damit viel zusätzlichen Aufwand mit Umsatzsteuer-Voranmeldungen.

Ich machte den Fehler und entschied mich gegen die Kleinunternehmer-Regelung. Als Firma wollte ich größer erscheinen und endlich in der Profi-Liga mitspielen. Außerdem wollte ich nicht jeden Geschäftspartner mit dem Rechnungszusatz nerven: "Kleinunternehmer gemäß Paragraf 19 Absatz 1 Umsatzsteuergesetz".

Für meine Steuererklärung habe ich mir das Leben künstlich schwer gemacht. Dabei hätte ich ein paar Vereinfachungen in Anspruch nehmen können. Denn als Kleinunternehmer müsste ich keine Umsatzsteuer-Voranmeldungen abgeben. Dafür darfst du jedoch keine Umsatzsteuer als Mehrwertsteuer auf deinen Rechnungen ausweisen.

Würde ich heute noch einmal neu anfangen, würde ich so lange wie möglich bei der Kleinunternehmer-Regelung bleiben.

Umsatzsteuer-Voranmeldung

Entscheidest du dich gegen die Kleinunternehmer-Regelung, musst du zukünftig eine Umsatzsteuer-Voranmeldung beim Finanzamt abgeben. Dazu wird dich niemand auffordern, sondern du musst es selbstständig erledigen.

In deinen ersten beiden Geschäftsjahren ist diese Umsatzsteuer-Voranmeldung monatlich fällig. Bis allerspätestens zum 10. Tag des nächsten Monats musst du dem Finanzamt melden, wie viel Umsatzsteuer du eingenommen hast.

Davon wird die Umsatzsteuer abgezogen, die du bezahlt hast. Darunter fällt zum Beispiel die Mehrwertsteuer, die andere Firmen auf ihren Rechnungen ausweisen.

  • Hast du mehr Umsatzsteuer bezahlt, als du eingenommen hast, wird dir der Restbetrag erstattet.

  • Hast du weniger Umsatzsteuer bezahlt, als du eingenommen hast, musst du die Differenz an das Finanzamt überweisen.

Am besten gewöhnst du dir an, sofort ein Fünftel deiner Einnahmen für die Umsatzsteuerzahlungen zur Seite zu legen. Dieses Geld gehört nicht dir, sondern dem Finanzamt.

Elster-Software des Finanzamts

Für die Umsatzsteuer-Voranmeldung benötigst du einen Zugang zur Elster-Software des Finanzamts. Ich benutze die Browserversion ELSTERBasis mit einer Zertifikatsdatei.

Diese Zertifikatsdatei kannst du nur beantragen, wenn du deine Steueridentifikationsnummer kennst. Bitte beachte, dass sich diese Steueridentifikationsnummer von deiner Steuernummer beim Finanzamt unterscheidet.

Hier kannst du dich bei Elster anmelden, ElsterOnline.de

Es wird einige Wochen dauern, bis deine Zertifikatsdatei freigeschaltet wird. Dazu bekommst du einen Aktivierungscode per Post zugeschickt. Alternativ kannst du deinen elektronischen Personalausweis benutzen.

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer beantragen

Und wenn du schon dabei bist, beantrage am besten gleich noch Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Die bekommst du auch dann zugewiesen, wenn du die Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch nimmst.

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer beantragen

Für den Online-Antrag beim Bundeszentralamt für Steuern benötigst du deine dreiteilige Steuernummer.

Deine 3 Nummern der Finanzbehörden

Danach hast du drei Nummern von den Finanzbehörden für unterschiedliche Zwecke:

  1. Steueridentifikationsnummer

    Das ist die Nummer, die einmalig ab der Geburt für dich ausgestellt wird. Die Steueridentifikationsnummer benötigst du zum Beispiel, um den Zugang zur Elster-Webseite freischalten zu lassen.

  2. Steuernummer deines Finanzamts

    Diese Nummer musst du bei deiner Steuererklärung angeben. Die Steuernummer wird dir vom zuständigen Finanzamt zugewiesen.
    Deine Steuernummer musst du auf allen Rechnungen angeben, wenn du keine keine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer hast.

  3. Umsatzsteuer-Identifikationsnummer

    Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer benötigst für Geschäfte mit ausländischen Unternehmen. Auf deinen Rechnungen kannst du diese Nummer alternativ zur Steuernummer verwenden.

Würde sich Schwarzarbeit jemals lohnen?

Bei all diesen Hürden, über die du springen musst und Formularen, die du ausfüllen wirst, stellst du dir vielleicht die Frage: Ich mache sowieso nur ein paar Privatpartys im Jahr, wozu soll ich mir den ganzen Aufwand antun?

Deshalb möchte ich dich vor der Annahme warnen, niemand würde mitbekommen, dass du plötzlich als DJ unterwegs bist.

Von vielen Leuten höre ich immer wieder, dass sie solche Dienstleistungen im privaten Umfeld lieber schwarz bezahlen. Naja, ich werde hier bestimmt nicht schreiben: Kassiere deine DJ-Gage schwarz und melde deine Einkünfte nicht dem Finanzamt.

Ich glaube auch nicht, dass jemand mit Steuerhinterziehung glücklich wird. Denke an das Sprichwort am Anfang: Auf dieser Welt gilt nichts als gewiss, außer dem Tod und den Steuern (eigene Übersetzung des Zitats von Benjamin Franklin, nach Wikipedia).

Mit dem Finanzamt mussten sogar schon Uli Hoeneß, Boris Becker und Al Capone schmerzliche Erfahrung machen.

 Zitat: Auf dieser Welt gilt nichts als gewiss, außer dem Tod und den Steuern von Benjamin Franklin

Deshalb arbeite ich bewusst ehrlich. Nicht nur weil ich davon ausgehe, dass das Finanzamt ganz einfach herausfinden kann, wie viele Gigs ich im Jahr 2014 gespielt habe. Nein, ich bin eine ehrliche Haut. Ich verdiene Geld und muss dafür Steuern zahlen. Das ist OK für mich.

Von einem DJ-Kollegen kenne ich den Fall, dass Zollbeamte sein Haus gestürmt haben und die Geschäftsunterlagen durchsuchten. Ganz gezielt suchten sie die Rechnungsbelege für einige Hochzeiten.

Dazu hatten die Zollbeamten stichprobenartig die Beiträge auf seiner Facebookseite überprüft. Und schon kannten die Beamten die Namen der Brautpaare sowie die exakten Daten der Hochzeitsfeiern.

Auch ich mache die Erfahrung, dass private Auftraggeber wie Brautpaare und Geburtstagskinder niemals eine ausgedruckte Rechnung von mir verlangen.

Die Verlockung mag groß erscheinen, dieses Geld einfach als private Gefälligkeit einzustecken. Dann könntest du dir alles ersparen, von der Gewerbeanmeldung, über Umsatzsteuer-Voranmeldungen bis zu Elster-Zertifikatsdateien und Terminen bei deinem Steuerberater.

Aber kennst du alle Gäste bei jeder privaten Party, wie einer Hochzeitsfeier? Was wäre, wenn einer der Gäste beim Zoll arbeitet oder beim Finanzamt? Oder dich einer deiner Nachbarn beneidet und dich deshalb beim Finanzamt anschwärzt.

Solltest du später in der DJ-Top-Liga mitspielen, hast du ganz andere Möglichkeiten der Steuergestaltung. Als international tourender DJ ist dein Lebensmittelpunkt vielleicht gar nicht mehr in deinem Heimatland. Das Flugbenzin für deinen Privatjet ist steuerbefreit. Und du wirst dir eine ganze Abteilung aus Anwälten, Buchhaltern und Steuerberatern leisten können.

Einnahmen-Überschuss-Rechnung und die Einkommensteuererklärung

Als Buchhaltung und Steuerberechnungsgrundlage reicht eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) aus. Das gilt als Kleinunternehmer, Selbstständiger und Freiberufler.

Das heißt, du rechnest die Einnahmen deiner Gigs zusammen und ziehst alle deine Ausgaben davon ab.

Ausgaben sind zum Beispiel die Kosten für dein DJ-Equipment wie Laptop und Verstärker, Musikdateien, Gema-Gebühren, Reisekosten zu deinen Gigs, anteilige Telefonkosten, Portokosten, anteilige Miete für deinen Arbeitsplatz Zuhause, anteilige Miete für Equipment-Lagerort im Keller.

Falls einige Geräte mehr als 410 Euro gekostet haben, musst du den Betrag über den Nutzungszeitraum abschreiben.

Generell gilt das Zufluss- und Abflussprinzip. Danach musst du die Einnahmen und Ausgaben zu dem Zeitpunkt erfassen, wenn du Geld bekommst oder ausgibst.

Buchhaltung als DJ und Einnahmen-Überschuss-Rechnung

Deinen Gewinn oder Verlust gibst du in der Einkommensteuererklärung als Einkünfte aus selbstständiger Arbeit an.

Steuerberater oder Einkommensteuererklärung selbst erledigen?

Einige Jahren lang dachte ich, ich wäre soweit meine Steuererklärung selbst ausfüllen zu können. Die 1.800 Euro für die Steuerberaterkosten pro Jahr wollte ich mir sparen und meine Steuererklärung selbst erledigen.

  • Aber wie behandle ich ausländische Rechnungen meiner Einkäufe beim britischen Label Defected oder von Traxsource, die in den USA sitzen?

  • Warum fällt für Flüge nach Miami keine Mehrwertsteuer an?

  • Über welchen Zeitraum muss ich CD-Player abschreiben?

Es endete damit, dass ich nie alle Unterlagen zusammen hatte. Immer fehlte mir irgendeine Zahl, Steuerbescheinigung oder eine alte Rechnung.

Mit der Abgabe meiner Einkommenssteuer-Erklärung hinkte ich mehrere Jahre zurück. Dann schätzte das Finanzamt meine Umsätze und die Strafen wurden immer härter. Ich bekam einen kurzen Brief. Zwei Tage später zog das Finanzamt tausende Euro von meinem Konto ein.

Ich versäumte Abgabetermine und erstickte in Finanzamtskauderwelsch. Schließlich meldete sich sogar das Bundesamt für Finanzen mit bedrohlichen Schreiben.

Ein ganz große Fehler, den ich niemals wiederholen werde.

Seitdem ich wieder einen Steuerberater habe, unterhalten sich Profis. Ich sehe einen Steuerberater auch als Dolmetscher, denn ich spreche die Steuersprache nicht.

Mein Steuerberater zwingt mich dazu, alle Unterlagen peinlich genau zu sammeln. Er erklärt mir die Zusammenhänge und ich kann endlich für die Zukunft planen. Denn die rechtlichen Rahmenbedingungen finde ich faszinierend, wenn ich das System für mich arbeiten lassen kann.

Sollte ich etwas nicht verstehen, weiß ich wenigstens ganz genau, was ich zu tun habe. Welcher Beleg fehlt noch? Von welchem Jahr fehlt die Abrechnung der haushaltsnahen Dienstleistungen unserer Wohnung.

Ohne Steuerberater wäre ich auch niemals auf die Idee gekommen, dass mein Musikzimmer und der Equipment-Lagerort im Keller Geschäftsausgaben sind. Mal ganz abgesehen von Verpflegungskostenmehraufwendungen.

Die Formulare bekomme ich vorausgefüllt, muss sie nur noch unterschreiben, parallel gehen alle Unterlagen in elektronischer Form an das Finanzamt. Mit dem Elster-Portal muss ich mich nur vier Mal im Jahr für die Umsatzsteuer-Voranmeldung beschäftigen.

Und alles läuft rechtlich 100 % sauber ab. Mit reinem Gewissen kann ich mich um Musik, Gigs, Podcasts und ums Bloggen kümmern.

Damit genug mit meinem Plädoyer, deine Steuererklärung einem Profi zu überlassen.

Beachte die Fristen für deine Steuererklärung

Diese Fristen musst du einhalten, um keinen Ärger mit dem Finanzamt zu bekommen:

  • Umsatzsteuer-Voranmeldung

    Bis zum 10. Tag des Folgemonats musst du die Umsatzsteuer-Voranmeldung per Elster einreichen.

  • Steuererklärung

    Bis zum 31. Mai musst du deine Steuererklärung für das Vorjahr abgeben. Ab dem Jahr 2019 gilt der 31. Juli als spätester Abgabetermin.

    Mit einem Steuerberater gilt bisher der 31. Dezember als Abgabetermin. Der Termin wird sich in den nächsten Jahren ebenfalls um zwei Monate verlängern, auf den 28./29. Februar.

Kurze Zeit, nachdem du deinen Steuerbescheid erhältst, wird sich die nächste Institution melden, die Geld von dir haben will.

Kammern-Mitglied wirst du automatisch

Das Finanzamt ist per Gesetz verpflichtet die Daten deines Steuerbescheids an die Industrie- und Handelskammern (IHK) zu melden.

In den ersten Jahren ignorierte ich die Zahlungsaufforderungen der IHK erfolgreich. Dann führte die IHK mehrere Mahnstufen ein und ich zahlte den Rechnungsbetrag unter Vorbehalt.

Dabei hätte ich das überhaupt nicht machen müssen, weil mittlerweile Freibeträge gelten.

IHK-Gebührenbescheid widersprechen

Für die letzten Jahren legte ich gegen jeden Gebührenbescheid Widerspruch ein.

Um das ganze Verfahren so lange wie möglich hinzuziehen, schicke ich meinen Widerspruch schriftlich per Post ab. Und siehe da, nach fünf Schriftwechseln erkennt die IHK an, dass mein Gewerbe unter die Gebührengrenze fällt.

Absichtlich habe ich das Beispiel des IHK-Gebührenbescheids an den Schluss gestellt. Darüber spricht niemand und viele Selbstständige vergessen den Zusammenhang mit der Gewerbeanmeldung.

Die IHK-Zwangsmitgliedschaft ist jedoch eine direkte Folge deiner Gewerbeanmeldung.

Suche dir professionellen Rat, für deinen Start

Nur weil alle anderen DJs ein "Standard-Gewerbe" anmelden, muss es nicht heißen, dass eine Gewerbeanmeldung für dich der beste Weg ist.

Würdest du es schaffen, deine Tätigkeit als Freiberufler ausüben zu können, würde dich keine Kammer belästigen, du müsstest du keine Umsatzsteuer-Voranmeldung abgeben und deine Buchhaltung wäre für den Rest deines Lebens mit einem Tabellenkalkulations-Programm zu erledigen.

Die letzten beiden Absätze formuliere ich absichtlich etwas überspitzt. Denn ich möchte dich zum Nachdenken bringen. Am besten besprichst du deine Pläne mit einem Steuerberater, bevor du dein Gewerbe anmeldest.

So ein Beratungsgespräch kostet vielleicht doppelt so viel, wie die Gewerbeanmeldung. Allerdings kannst du damit alle Fehler vermeiden, die ich gemacht habe.

Weitere Blogposts zur Selbstständigkeit und Steuern liest du hier:

Kennst du weitere Tipps? Dann schreibe bitte einen kurzen Kommentar, welche Punkte ich vergessen habe. Ich versuche auch gerne deine Frage zu beantworten, wenn ich diesen Artikel ergänze.

Bitte beachte, dass ich hier nur von meinen Erfahrungen berichte. Weil ich selbst genügend Fehler gemacht habe, möchte ich dich vor diesen Fehlern bewahren. Deshalb ist meine häufigste Antwort: Suche dir einen guten Steuerberater und lasse dich bei geschäftlichen und rechtlichen Fragen beraten.

 

Kommentare 

 
+1#1Jens-P. Weismantel10.01.2017 01:16
Thorsten, ich habe so viele Artikel von dir gelesen und endlich kommst du zum absoluten Urschleim.
Ich denke nicht, dass die Veranlagung zur Umsatzsteuer ein Fehler ist. Gerade in der Startup-Phase lässt man locker mehr Geld beim Technik-Dealer seines Vertrauens als man verdient, da sind die 19% Vorsteuer schon eine echte Erleichterung. Von einem Kollegen habe ich erfahren, dass die Entscheidung hinsichtlich Kleinunternehme r oder Umsatzsteuerver anlagung nicht endgültig ist und man nach Einhaltung gewisser Fristen auch hin und her wechseln kann, sofern man die Einkommensgrenz e nicht überschreitet. Wenn also das Techniklager voll ist und die Kunden einem dank gut platzierter Werbung die Hütte einrennen, was hindert einen, nicht zum Kleinunternehme r zu wechseln? Wenn man keine Mehrwertsteuer ausweisen darf, heißt das automatisch, dass man auch keine Mehrwertsteuer erheben muss. Somit ist Netto=Brutto und der Kunde hat einen Preisvorteil von 19%.
Übrigens hat auch nicht jede IHK und BG die Eurozeichen im Logo. Ich bekam zunächst einen Fragebogen zur Unternehmensstr uktur und daraufhin keine Rechnung.

Viele Grüße
Jens
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-1#2DJ Rewerb10.01.2017 12:53
Hallo Jens,

stimmt, es gibt komplizierte Bedingungen, um die Kleinunternehme r-Regelung auch später nutzen zu können.

Freut mich auch zu hören, dass du besser Erfahrungen mit Kammern und Berufsgenossens chaften gemacht hast.

Den Vorsteuerabzug bei großen Anschaffungen höre ich immer wieder als Argument. Ich glaube nicht, dass dies als Anfänger ein Vorteil ist. Dafür steigt dein Aufwand für die Steuererklärung überproportiona l. Für mich rechtfertigen auch keine 19 % "Ersparnis" den späteren Aufwand, den ich mir ans Bein binde.

Von ganz "cleveren" Geschäftsleuten kenne ich Berechnungsbeis piele, die versuchen ihre Firma über die Umsatzsteuerrüc kerstattungen zu sanieren. Dazu musst du nur ein möglichst teures Auto finanzieren. Bumm! Schon hast du nächsten Monat 20.000 Euro auf dem Konto. Davon kann ich dann leben und die Finanzierungsra ten des Autos bezahlen.
Sicherlich funktioniert das, für eine gewisse Zeit. Ich halte es trotzdem für eine Milchmädchenrec hnung.

Nur meine 2 Cent,
Thorsten

P.S.: Herzlichen Dank, dass du bis zur Ursuppe durchgehalten hast. Den Blogpost musste ich vier Jahre gären lassen, bis er reif war ;-)
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Mein Name ist Thorsten aka DJ Rewerb und diese DJ-Tipps schreibe ich, um dich als DJ auf neue Gedanken zu bringen. Nach 24 Jahren hinter dem Mischpult weiß ich, dass DJing sehr viel mehr ist als Lieder in einer Disco aufzulegen.

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